Selbstführung

In Kontakt sein - auch in Zeiten von Corona

April 16, 2020


Corona stellt unser Leben auf den Kopf. Wir haben jetzt drei Wochen mit Kontaktverbot und Beschränkungen hinter uns. Und noch ist kein Ende in Sicht. Worte wie Durchhalten und Verschärfen bestimmen die Nachrichten und finden den Weg in unsere Köpfe und Herzen.

Mir geht es so wie vielen anderen Menschen auch. Ich bin fassungslos und schockiert. Dass eine Situation wie der Shutdown mein Leben jemals dermaßen aus den Angeln heben könnte, habe ich nicht für möglich gehalten. Schon gar nicht in Deutschland.

Kaum einer kann mehr so leben und arbeiten wie bisher. Die bekannten Strukturen sind von einem zum anderen Tag weggebrochen. Plötzlich ist da eine unbekannte Leere.


Was ist bloß mit mir passiert, als ich so abrupt aus meiner Routine gerissen wurde?

Bedürfnisse sind akut in Mangel geraten

Eines ist sicher: Corona eröffnet ganz unmittelbar den Blick auf das, was unerfüllte Bedürfnisse für Menschen wirklich bedeuten. Wie wichtig Kontakt, Sicherheit, Selbstbestimmung, Freiheit und Entwicklung sind. Je länger Kontaktverbot und Beschränkungen anhalten, desto stärker geraten diese Bedürfnisse in Mangel. Desto häufiger kommen unangenehme Gefühle hoch. Genervt sein, gestresst sein, Ärger oder Angst begleiten uns immer häufiger.

In diesen Tagen verdeutlicht besonders der Gang in den Supermarkt den Mangel. Schlenderten Menschen noch vor zwei Monaten meist gelassen durch die vollen Einkaufsregale, sehe ich nun viele ängstliche, ärgerliche oder gehetzte Menschen. Die Sorge vor einer möglichen Ansteckung und das leere Toilettenpapierregal legt die Nerven blank.

Erfüllte Bedürfnisse sind die Wurzeln angenehmer Gefühle  

Gelingt es uns jetzt, unsere Bedürfnisse zu erfüllen, blicken wir optimistischer in die Zukunft. Wir vertrauen darauf, dass unser körperliches Immunsystem das Virus besiegt und dass das ökonomische Immunsystem die Arbeit wieder in Fahrt bringt. Wir vertrauen darauf, dass wir selber einen Beitrag zu einem guten Leben leisten können.

Besonders wenn es schwierig wird, brauchen wir erfüllte Bedürfnisse. Dazu benötigen wir möglichst vielfältige Strategien, um wieder Sicherheit, Kontakt, Selbstbestimmung oder Spaß zu spüren.

Im Moment können wir wegen des Kontaktverbots nicht mit anderen Menschen vor unserem Lieblingscafe die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen. Gleichzeitig können wir uns aber um Menschen kümmern, die wir lange mehr nicht gesehen haben. Wir können anfangen, wieder Sport zu treiben, kreativ zu sein oder uns einfach auszuruhen.

Das Coronavirus kann uns jedenfalls nicht daran hindern, uns um unsere Bedürfnisse zu kümmern.

Aussprechen!

Das Aussprechen der eigenen Bedürfnisse schafft Klarheit über mögliche Strategien. Die Erfüllung unserer Bedürfnisse sorgt für innere Entspannung. Es ist das beste Mittel, um Sorgen und Ängsten vorzubeugen.


Formulierungshilfe für das Ansprechen von Bedürfnissen:

  • Ich brauche..
  • Mir fehlt noch..
  • Ich hätte gerne..
  • Mir geht es um..


Die „ultimative Bedürfnisliste“ nach Weckert (2015)

  • Autonomie: Freiheit, Selbstbestimmung
  • Körperliche Bedürfnisse: Luft, Wasser, Bewegung, Nahrung, Schlaf, Distanz, Wärme, Gesundheit, Heilung, Kraft
  • Integrität, Stimmigkeit mit sich selbst: Authentizität, Eindeutigkeit, Übereinstimmung mit den eigenen Werten, Identität, Individualität
  • Sicherheit: Schutz, Übersicht, Klarheit, Abgrenzung, Privatsphäre, Struktur
  • Einfühlung: Empathie, Gleichbehandlung, Gerechtigkeit
  • Verbindung: Nähe, Zugehörigkeit, Liebe, Unterstützung, Ehrlichkeit, Gemeinschaft, Respekt, Kontakt, Offenheit, Vertrauen, Anerkennung, Freundschaft, Toleranz
  • Entspannung: Erholung, Ausruhen, Spiel, Leichtigkeit, Ruhe

Dr. Ina Rosemeier

Seit über 17 Jahren befasse ich mit dem, was mich am meisten fasziniert: Bewegung und Gesundheit. Bewegung ist für mich gleichermaßen Motor und Herzensangelegenheit. Ich möchte den Menschen, mit denen ich zusammen arbeite, Impulse geben, sich zu bewegen und ihr Leben aktiv zu gestalten.

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