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Neues Arbeiten - Raum schaffen für gesunde Arbeit

April 3, 2018

Neues Arbeiten - Raum schaffen für gesunde Arbeit – Teil 2

Formaldehyd am Arbeitsplatz

In unserer Serie - Neues Arbeiten – Raum schaffen für gesunde Arbeit - nehmen wir die Belastungen von Menschen durch Umweltgifte und Schadstoffe am Arbeitsplatz unter die Lupe.

Heute berichtet der Arzt -, Ganzheitsmediziner und Spezialist für betriebliches Gesundheitsmanagement Dr. med. Hans-Christof Berger über die Auswirkungen und möglichen Gesundheitsgefahren von Formaldehydaus ganzheitsmedizinischer Sicht.

Was ist Formaldehyd?

Formaldehyd ist ein stechend riechendes, wasserlösliches Gas und wohl eines der bekanntesten Umweltgifte überhaupt. Entsprechend ist auch seine Verbreitung. Traurige Berühmtheit hat die Verbindung „Formaldehyd und Spanplatte“erlangt. Formaldehyd wurde lange Zeit als Bestandteil von Bindemitteln in Spanplatten verwendet. Selbst die als formaldehydarm bezeichneten E 1- Platten können noch geringe Mengen Formaldehyd enthalten. 

Formaldehyd wird immer noch in 

·      Klebstoffen

·      Lacken und Farben 

·      als Spachtelmasse 

·      in Leimen 

·      als Bestandteil verschiedener Dämmstoffe 

·      sowie in Teppichauslegware verwendet. 

Auf diese Weise kann Formaldehyd in vielfältiger Form an unseren Arbeitsplatz gelangen.

Verwendung von Formaldehyd

Aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung wird Formaldehyd auch zur Desinfektion, z. B. in Krankenhäusern, eingesetzt. Außerdem gibt es viele Industriearten die Formaldehyd weiterhin verwenden. Zu denken ist hier an die Papierherstellung, die Lederindustrie, die chemische Industrie und die Fotoindustrie. Auch die Kosmetikindustrie verwendet Formaldehyd wegen seiner konservierenden Wirkung. 

Geringe Dosen Formaldehyd müssen nicht deklariert werden. 

Um den direkten Einsatz von Formaldehyd zu vermeiden, werden chemische Verbindungen mit Namen wie 5-Bromo-5-Nitro-1,3 Dioxane, Imidazolidinphion oder Hexetidinium verwendet, aus denen dann erst bei der Anwendung Formaldehyd abgespalten wird. 

Die Textilindustrie verwendet Formaldehyd für Textilien, um diese dann als „“pflegeleicht“deklarieren zu können. Hiervon sind insbesondere Billigkleidungsstücke, die u. a. im Ausland produziert wurden, betroffen. 

Nicht zuletzt entsteht Formaldehyd bei jeder Verbrennung, also in Autoabgasen genauso wie beim Zigarettenrauchen oder beim Kochen mit einem Gasherd. 

Symptome von Formaldehydbelastung am Arbeitsplatz

Gelangt Formaldehyd an den Arbeitsplatz können die schädigenden Wirkungen auf den Menschen sehr unterschiedlich sein. Da Formaldehyd ein Reizgas ist, führt es insbesondere zu Reizungen der Augen sowie des Atemtraktes. 

Weitere Symptome sind 

·      Husten

·      Atemnot

·      Schleimhautschäden

·      Übelkeit und Erbrechen 

·      Schwindel

·      Müdigkeit

·      Kopfschmerzen

Bei längerer Formaldehyd-Einwirkung können zentralnervöse Symptome wie Konzentrations- oder Wortfindungsstörungen oder Unruhe auftreten. Diese Symptome werden oft als psychosomatische Beschwerden abgetan.

Formaldehydallergie

Neben der direkt toxischen Wirkung sind auch Allergien gegen Formaldehyd bekannt. D. h. dass Asthma bronchiale auch schon bei Einwirkung von geringsten Dosen von Formaldehyd auftreten kann. 

In der Literatur werden inzwischen sogar Formaldehydallergien beschrieben, die mit Krämpfen, Migränekopfschmerzen, Hautekzemen und Atemnot einher gehen können. 

Formaldehyd ist darüber hinaus Erbgut verändernd und im Tierversuch konnte nachgewiesen werden, dass Formaldehyd auch krebserregend ist. 

Bei Hautkontakt mit Formaldehyd können allergische Ekzeme mit Rötung, Schwellung und  Bläschen auftreten, die dann schuppen. 

Was tun, wenn Verdacht auf Formaldehydbelastung besteht

Sollten Sie den Verdacht auf eine Belastung mit Formaldehyd haben, ist es möglich, das Formaldehyd in der Raumluft, im Hausstaub und in Materialproben nachzuweisen. 

Ein direkter Nachweis von Formaldehyd beim Menschen geschieht durch den Nachweis des Abbauproduktes Ameisensäure im Urin. 

Bei Verdacht auf eine Formaldehydallergie können Antikörper direkt im Blut nachgewiesen werden. 

Um die Belastung mit Formaldehyd so gering wie möglich zu halten, verzichten Sie möglichst auf alle Materialien, die Formaldehyd enthalten. Denken Sie daran beim Kleidungskauf oder beim Kauf von Teppichen sowie wie beim Kauf von Möbeln, die Spanplatten enthalten. Ebenso sollten Sie bei der Verwendung von Lacken und Klebern auf deren Formaldehydgehalt achten.

 

Dr. med. Hans-Christof Berger:

„Seit 25 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Fachgebiet der Umweltmedizin in unseren Praxisstandorten in Grethem in der Südheide und in Hannover im Ärztezentrum „Ärzte am Raschplatz“ mit den Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf Menschen und Unternehmen“.

Zur Untersuchung konkreter Belastungen von Arbeitnehmern mit Schadstoffen hat Dr. Berger 1994 das Institut für Ganzheitsmedizin in Grethem (http://www.praxis-dr-berger.de) gegründet. Das Institut für Ganzheitsmedizin hat sich darauf spezialisiert beispielsweise Schwermetalle, Lösungsmittel, Formaldehyd, oder Styrol direkt beim Menschen nachzuweisen.

Informationen gibt es unter 05164 – 91818 oder mailto:dr.berger@praxis-dr-berger.de

 

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Dr. med. Hans-Christof Berger

Arzt für Ganzheitsmedizin in eigener Praxis seit 1991, Gründer und ärztlicher Leiter des Instituts für Ganzheitsmedizin, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ganzheitsmedizin, Mitglied der Bundesgesundheitskommission des BVMW, Buchautor, Lehrtätigkeit, Seminarleitung.

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